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Kartoffeln

Schon etwas älter dieser Text, um genau zu sein, er ist Anfang 2000 entstanden und trotzdem noch aktuell.

Geld, Kartoffeln und wie lange wir leben

Alle Menschen wollen glücklich und zufrieden sein. Und nach neuesten Umfragen glauben 85 %, dass sie glücklich sind, wenn möglichst viel Geld auf ihrem Konto liegt.

Was hat Geld auf dem Konto mit einem glücklichen Leben zu tun?

Geld scheint in unserer Kultur das Heiligste zu sein. Für Geld, so die Überzeugung, kann man sich alle Wünsche erfüllen. Deswegen arbeiten wir nicht mehr, weil es uns Freude macht, sondern weil wir Geld bekommen. Wer viel Geld zusammenrafft, schafft aber eine Verlierer-Situation.

In alten Kulturen würde ein Mensch, der Vorräte für 100 Winter sammelt, obwohl immer nur ein Winter vor der Tür steht, und seine Nachbarn unter Hunger leiden, als schwer gestört dem Medizinmann übergeben.

Der Unterschied zwischen den alten Kulturen und dem heutigen Menschen ist schnell beschrieben: Früher handelte es sich um Kartoffeln, heute geht’s ums Geld.

Geld ist eine treibende Kraft für unsere Aktivitäten. Wir sind so erzogen worden und kennen keine Alternative.

Ob die gescheiterten Big-Bosse (die meisten sind wohl schon im Rentenalter oder sehen zumindest so aus) mit ihren Millionen-Abfindungen glücklich werden angesichts der zurückbleibenden Arbeiter, die um ihren Job bangen, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.

Menschen, die in der Ordnung unseres Kosmos stehen, werden das, was sich im modernen Wirtschaftsleben abspielt, schwer oder gar nicht nachvollziehen können.

Ordnung des Kosmos? Was ist denn das?

Geraten die Lebenskräfte so sehr ins Ungleichgewicht, wie das momentan der Fall ist, bekommen die Menschen Angst um ihre Zukunft. Sie fühlen sich nicht mehr geborgen im Schoss der Mutter Erde. Sie wissen nicht, was ihnen die Zukunft bringen wird. Und das ist gut so. Denn das einzige, was wir genau wissen ist, dass der ständige Wechsel, der Lebensrhythmus, konstant ist. Auf Einatmen folgt Ausatmen, auf Tag folgt Nacht. Diesen Auf-Ab-Rhythmus können wir auch in der Wirtschaft und bei der Börse beobachten.

Wie lange wollen wir leben?

Unsere Kultur denkt aber nicht rhythmisch, sondern linear. Besonders deutlich wird das im Umgang mit dem Leben. Die grosse Angst vor dem Tod lässt uns hoffen, gar nicht oder jedenfalls sehr spät zu sterben. Deshalb wollen alle Menschen alt, womöglich uralt werden. Werden, wohlverstanden, nicht sein. Wir pflegen einen Jugendkult und schätzen das Alter so gering. Wenn wir aber 100 Jahre alt werden möchten, so gehören wir in unserer Kultur während der Hälfte unseres Lebens zum alten Eisen.

Im Klartext heisst das nichts anderes, als dass wir etwas anstreben, das niemand haben will. So tappen wir blind in die Falle, die das Ende unseres Lebens ausgesprochen schwierig und unglücklich macht.

Geld und Verantwortung

Stell Dir mal vor, Du bist der gescheiterte Unternehmer mit 20 Millionen Abfindung. Leider gibt’s kein Geld und Dir wird die Abfindung mit 20 Millionen Tonnen Kartoffeln entschädigt. Sie werden Dir vor Deine Haustür gebracht. Nun hast Du ein Problem. Denn Aufessen kannst Du die Kartoffeln nicht und wenn Du die sie liegen lässt, hast Du spätestens nach 6 Monaten einen stinkenden Haufen. Du wirst also die Verantwortung für Deine 20 Millionen Tonnen Kartoffeln tragen müssen. Entweder suchst Du Menschen, die Dir helfen, die Kartoffeln aufzuessen, Du suchst Lagerorte, damit die Kartoffeln im Frühjahr als Saatgut taugen und Du suchst Menschen, die Dir im Frühling helfen, die Kartoffeln zu pflanzen und Du kümmerst Dich um die ganze Verteilung des Saatgutes usw.

Möchtest Du die 20 Millionen noch oder würdest Du lieber mit viel weniger den Winter hinter der warmen Ofenbank verbringen? Vielleicht bist Du aber ein sehr begabter Mensch, der mit 20 Millionen bei vielen Menschen sehr viel bewirken kann.

Wir haben mit dem Geld ein Instrument geschaffen, wodurch eine Kartoffel für ewig haltbar gemacht werden kann.

Ewig?

Vielleicht steckt doch hinter jeder Kartoffel ein Stück Land, Saatgut und ein Mensch, der gewillt ist zu arbeiten.

Vielleicht kann man Geld doch nicht essen?!

Und wie kann mich Geld glücklich machen? Nicht mal meine Ängste kann es mir nehmen in Zeiten, wo die Börse auf und ab hüpft.

(Zur Zeit eher ab, vor allem bei Firmen, wo die ganze Ernte an die Geldgeber verteilt wird oder wo die falsche Kartoffelsorte angebaut wurde.)

Da sitzen wir also wieder mit unserem Bankbüchlein in der Hand und überlegen, was denn zu tun ist.

Dazu beginnen wir wieder ganz am Anfang  und definieren unsere WAHREN Bedürfnisse, denn: Solange man will, was man bekommt, ist man glücklich.

Und noch was: Es ist nicht schlecht, viel Geld zu besitzen. Es kommt bloss drauf an, was Du damit machst, siehe oben Geld und Verantwortung.

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